Bild_Dagmar_Fischer
Bild_Dagmar_Fischer_1x1

Mai Time. Meine Zeit.

Eigentlich wollte ich mich ja raushalten und nur ab und zu meinen Senf dazugeben. Wenn überhaupt sollte ich wohl mal etwas über Mode schreiben…..vielleicht über angesagte feminine Silhouetten, figurbetonte Schnitte, elegante Looks. Eben all die Dinge, die Frauen wie mich dazu bringen sollen uns plötzlich für Ballerinen zu halten, nur weil wir uns in ein Kleid zwängen, das exakt so aussieht, als hätte es jemand entworfen, der Frauen lieber formt als versteht.

Aber ich kann nicht! Nicht, weil ich keine Meinung hätte (die habe ich fast immer - selbst zu Dingen, die mich nichts angehen), sondern weil ich feststelle: Ich bin nicht mehr leicht zu beeindrucken von sogenannten Trends!

Das klingt jetzt dramatischer, als es ist. Es war kein epiphaner Moment, kein Blitz aus heiterem Himmel, kein plötzlicher Anfall von Weisheit. Es war bei einem Stadtbummel - als ich mal wieder neugierig war, was aktuell in Mainstream-Geschäften als Trend betitelt wird - ein Spiegel. Ein ganz normaler, leicht verschmutzter Spiegel in einer Umkleidekabine, der mir zeigte, was ich schon befürchtet hatte: Im neuesten „Must-have“ sehe ich aus, als hätte ich versucht, mich mit einem Staubsaugerrohr anzuziehen. Dieses Kleid in der Umkleide – dieser Ausdruck frühlingshafter Eleganz mit einer gewollten Betonung meiner weiblichen Rundungen – würgte mich wie der Blick in einen leeren Aufzugschacht. Ich stand da, zwischen den Regalen mit den ganzen „It-Pieces“ und dachte: Wer hat eigentlich beschlossen, dass DAS ich bin?

Aktuelle Modetrends sind ein bisschen wie Gäste, die unangekündigt vorbeikommen und sich dann auf Deinem Sofa breitmachen. Irgendwann hört man auf, ihnen Kaffee anzubieten und beginnt stattdessen, sie zu ignorieren. Das ist der Moment, in dem Freiheit beginnt! Haaahh! Diese Freiheit, sich einzugestehen, dass man mit Ü60 nicht mehr wie ein Teenager aussieht, selbst wenn man sich in dessen Kleidung quetscht. Das „Trend“ für die meisten von uns einfach nur ein anderes Wort für „unbequem“ ist - und das Selbstliebe nichts mit Perfektion zu tun hat, sondern damit, sich nicht länger für Dinge zu entschuldigen, die andere wollen.

Ich habe also das Kleid wieder auf den Bügel gehängt – nicht aus Protest, nicht aus Prinzip, sondern einfach, weil ich keine Lust mehr hatte, mich wie eine schlechte Performance-Künstlerin zu fühlen. Keine Bange, ich werde trotzdem nicht in Jogginghosen zum Dinner erscheinen - es gibt ja durchaus andere Optionen. Aber ich werde auch nicht mehr in Sachen herumlaufen, die mich atemlos machen. Und zwar ganz wortwörtlich! Vielleicht ist „Mai Time“ ja gar keine Saison. Vielleicht ist es einfach nur der Moment, in dem man aufhört, sich zu fragen, ob man etwas tragen kann, und stattdessen fragt: „Will ich das tragen? Passt es zu mir?“

Ich habe mir dieses Jahr auf jeden Fall etwas vorgenommen: Ich werde nur noch Dinge tragen, in denen ich lachen, gehen, sitzen und – wenn nötig – sogar weglaufen kann. Keine Hosen, die mir die Durchblutung abschnüren. Keine Blusen, die mich zwingen, den ganzen Abend die Arme vor dem Bauch zu verschränken. Keine Schuhe, in denen ich nach zehn Metern aussehe, als hätte ich Wasserballons statt Füße.

Stattdessen: Stoffe, die atmen. Schnitte, die Raum lassen. Farben, die mich nicht aussehen lassen wie eine überreife Erdbeere. Mode, die nicht schreit: „Guck mal, ich bin trendy!“ – sondern konstatiert: „Ich bin ich und das ist wunderbar!“

Also ja, ich werde diesen Mai Bein zeigen! Aber in einem Rock, der mir erlaubt, Treppen zu steigen, ohne fürchten zu müssen, die Nachbarskinder zu traumatisieren. Ja, ich werde Arme zeigen! Aber in einem Shirt, das nicht aussieht, als hätte es ein Sadist entworfen. Und verdammt noch mal ja, ich werde unter Leute gehen! Aber nicht in Outfits, die mich das ganze Abendessen über daran erinnern, dass ich „eigentlich“ anders aussehen sollte. Dafür in Looks, die mich gut kleiden, die meine Persönlichkeit unterstreichen und sie nicht verstecken.

Vielleicht ist das der wahre Luxus: Nicht mehr zu fragen, ob etwas „passt“ – sondern zu wissen, dass es zu Dir passt. Wenn das keine Avantgarde ist, dann weiß ich auch nicht!

Unterschrift_D._Fischer
Copyright © 2016-2026 dagmarfischer mode. All Rights Reserved. Alle Preise in Euro und inkl. der gesetzlichen Mehrwertsteuer, zzgl. Versandkosten. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Abbildungen ähnlich. Nur solange der Vorrat reicht.